Vorwort

Spielraumpläne als Grundlage für die räumliche Planung

In Zusammenarbeit mit der AG-Spielraum (ein fächerübergreifendes Gremium der Stadtverwaltung, in dem Vertreter unterschiedlicher Ämter sitzen, die sich mit kindlichem Spielraum und Wohnumfeld auseinander setzen) und mit Dozenten und Studierenden des FB Pädagogik der Uni Trier, hat die mobile spielaktion e.V. (1995) Standards für ein kindgerechtes Wohnumfeld erarbeitet (siehe Kategorisierung von Räumen für kindgemäße Aktivitäten).

Ausgehend von diesen Standards wurde ein Verfahren entwickelt um vorhandene und potentielle Spielräume in den öffentlich zugänglichen Bereichen eines Stadtteils zu erfassen. Dabei geht es nicht nur um die Bewertung der Spiel-, Bolz- und Sportplätze, sondern darum fest zu stellen, in wie weit das gesamte Spektrum der kindlichen Aktivitäten innerhalb definierter Aktionsradien abgedeckt werden kann. Die Aktionsradien ergeben sich aus unseren Aktionen und Erfahrungen mit den Kindern und der entsprechenden Fachliteratur.

Wünschenswert ist es, wenn den Kindern alle diese Räume in ausreichender Zahl im Stadtteil zur Verfügung stehen.

Klar erkennbare Nutzungseinschränkungen wie z.B. Verbotsschilder werden dabei berücksichtigt und entsprechend kartiert (so entstehen Hinweise auf potentielle Spielräume, d.h. Räume, die bei Wegfall bestimmter Einschränkungen wieder als Spielraum zur Verfügung stehen).

Die Spielraumpläne der Stadtteile bestehen aus einem erwachsenenorientierten Bereich (Spielraumbestandsaufnahmen) und einem kinderorientierten Bereich (Kinderstadtplan).

Spielraumbestandsaufnahme

Bei der Spielraumbestandsaufnahme werden alle öffentlich zugänglichen (Spiel-)Räume, die im Stadtteil oder im Einzugsgebiet des Stadtteils liegen erfasst. Zur Erhebung dieser gehen Mitarbeiter der "mobilen spielaktion e.V." mehrmals in den Stadtteil. Über jeden vorgefundenen (Spiel-) Raum, der bestimmte Qualitätsmerkmale erfüllt, wird ein detailliertes Protokoll angefertigt. Anhand der Ergebnisse wird zu jeder Spielraumkategorie (Eltern-Kind-Spielraum, Phantasie- und Abenteuerraum etc.) ein Bestandsplan erstellt, der genau aufzeigt in welchem Bereich Spielraumlücken bestehen.

Bestandsaufnahme aus Kindersicht: Aktion Kinderstadtplan

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als Erwachsene. Während die Straße für die Erwachsenen Verkehrsraum ist, nutzen die Kinder diese als Spielraum. Ein Gebüsch hat für die Großen eine optische Funktion, Kindern dient es als Versteck. Es liegt daher auf der Hand Kinder einzubeziehen, wenn es um das Thema Spielraum geht. Um dieses Experten-Wissen Erwachsenen zugänglich und transparent zu machen, wurde 1995 die Aktion Kinderstadtplan ins Leben gerufen, ab 1997 wurde dann die routinemäßige Bestandsaufnahme aus Kindersicht begonnen.

Hier werden zusammen mit Kindern aus den einzelnen Trierer Stadtteilen Karten erstellt, auf denen die Kinder ihren Stadtteil beschreiben. Mittels verschiedener Symbole können die Kinder sich über Vorzüge und Defizite in ihrem Stadtteil äußern.

Das Ergebnis ist ein graphisch per EDV aufbereiteter Kinderstadtplan, der die Aussagen der Kinder enthält. Die auf diese Weise gewonnenen Informationen dokumentieren wie die Kinder selbst ihr Spiel- und Lebensumfeld sehen.

Der AG-Spielraum erschließt sich so das Wissen um das tatsächliche Spielverhalten und die dabei genutzten Spielräume. Der Kinderstadtplan dient somit auch der Evaluation für die Spielraumbestandsaufnahmen.

Beratung und Auswahl des Handlungsbedarfes

Im nächsten Schritt des Ablaufplans werden die Ergebnisse in der AG-Spielraum beraten. Themenbeispiele des Austausches in der Sitzung sind:

Ausgehend von den Lücken in den Radien und den stadtteilspezifischen Besonderheiten wird nun überlegt, wo sich nach Einschätzung der AG ein konkreter Handlungsbedarf im Stadtteil ableiten läßt. Aus dem Vergleich zwischen Sollvorgabe (Standards) und Istzustand können Entwicklungsziele für die bewerteten Wohnräume festgelegt werden.

Einbindung in Jugendhilfeplanung

Seit 1997 werden die Arbeitsergebnisse regelmäßig im Jugendhilfeausschuss vorgestellt und zur Kenntnis genommen. Mittlerweile (Stand November 2017) konnte der vierte Umlauf beendet werden. D.h., dass die verschiedenen Trierer Stadtteile alle vier bis fünf Jahre neu bewertet werden und somit eine ständige Evaluation samt Erfolgskontrolle sichergestellt werden kann.

Durch diese regelmäßige Erstellung von Spielraumplänen werden mehrere Dinge erreicht:

Mit Hilfe der Spielraumpläne ist es relativ einfach sich einen Überblick über die Spielraumsituation eines Stadtteils zu verschaffen. Werden Flächen und Räume neu beplant, so können vorhandene Lücken bei den Einzugsgebieten der einzelnen Spielräume geschlossen werden und es ist möglich zielgerichtet und bedarfsgerecht zu planen.

Wichtig ist, dass den Kindern alle Räume flächendeckend zur Verfügung stehen (sollen) und nicht nur an die Anlage von Kinderspielplätzen gedacht wird, sondern etwa auch an die Grünraumsicherung /-gestaltung und an die Verkehrsplanung.

Damit wurde ein erprobtes System der Spielraumleitplanung entwickelt, welches sich durch die fachübergreifende Zusammenarbeit und die routinemäßige Durchführung als handhabbares Modell auch für andere Kommunen empfiehlt.